Trainerausbildung

Dieser Bereich soll LehrerInnen unterstützen, einen Seilgarten nach dem Kriterium "für Schulklassen geeignet" zu checken.

Trainerausbildung

Beitragvon Markus P » Di Nov 17, 2009 1:30 pm

Hallo Zusammen.
Bin neu im Forum und habe sehr viele Interessante Diskussionen, Ansätze und Lösungen gefunden...tolle Sache.
Habe hier mal eine Frage zu Schülergerechten Anlagen:
Hier wird eine Ausbildung der Trainer nach ERCA Richtlinien verlangt. Nur nach diesen Richtlinien oder eine ERCA Ausbildung?
Markus P
 

Beitragvon Martin F. » Di Nov 17, 2009 5:50 pm

Hallo Markus,

ich bin auch neu im Forum, aber nicht neu in der Branche. Deine Frage ist eine sehr interessante und in wenigen Zeilen nicht zu beantworten. Was ich Dir aber mit Brief und Siegel geben kann ist, dass jeder der behauptet, die Ausbildung der Trainer nach ERCA Richtlinien wäre ein MUSS, entweder keine Ahnung hat oder aber bewusst täuscht. Als Alternative gibt es auch die SMA Ausbildung der IAPA oder die RCTA von u.a. ÖAV und DAV. Alle diese Ausbildung haben einen sehr hohen Standard und gewährleisten ein sicheres Begehen von Seilkletteranlagen.

Ich hoffe das hilft schon mal weiter,

beste Grüße,

Martin
Martin F.
 

Beitragvon Markus P » Mi Nov 18, 2009 8:19 am

Servus Martin, die Sache mit den Ausbildungen ist, nach meiner Meinung, ein heikles Thema. Wird eine bestimme Ausbildung gefordert, so sollte auch ein Versicherungsschutz im Rahmen der Ausbildungsinhalte für den Trainer möglich sein. Denn ich, als Betreiber, bin alleine Haftbar.....auch für extern ausgebildete Trainer?????
Bitte versteht mich nicht falsch, aber wenn mich erst eine bestimmte Ausbildung zu einer Tätigkeit zulässt, dann muß es hierfür auch einen Versicherungsschutz geben.
Siehe Bergführer, Bergwanderführer ja sogar für Nordic Walking Guides gibt es eine Versicherung, die man nach Abschluss einer Ausbildung (bei bestimmten Verbänden) beantragen kann.[/b]
Markus P
 

Beitragvon Martin F. » Mi Nov 18, 2009 1:00 pm

Hallo Markus,

die Ausbildungsfrage ist in der Tat ein heikles Thema, vor allem weil viel Augenwischerei betrieben wird und noch mehr unreflektierte Meinungen verbreitet werden.
Ich muss meine Aussage von gestern noch etwas konkretisieren, vor allem vor dem Hintergrund, das Du in Österreich wohnst und ich jetzt mal davon ausgehe, dass Dein Hochseilgarten oder Kletterwald auch in Österreich steht. Hochseilgarten (per meiner eigenen Definition pädagogisch orientiert) oder Kletterwald (per meiner eigenen Definition touristisch bzw. "spaß"orientiert) ist ebenfalls eine entscheidende Frage.
Für den Besuch von Hochseilgärten oder Kletterwäldern mit Schulklassen gilt momentan in Österreich*, anders als in Deutschland, dass alle Personen (und das bedeutet nach dem Wortlaut, eben auch die begleitenden Lehrer), die mit Schülern in einen Hochseilgarten oder Kletterwald gehen wollen oder sie dort betreuen, eine Ausbildung "gemäß dem Standard der ERCA" haben müssen. Das heißt aber nicht, dass es eine ERCA Ausbildung sein muss oder die Richtlinien der ERCA bezüglich einer zertifizierten Ausbildung eingehalten werden müssen. Gemäß dem Standard der ERCA bedeutet lediglich, dass der Ausbilder oder das Ausbildungsunternehmen mindestens die Standards der ERCA beachten und einhalten muss. Mindestens deshalb, weil es Ausbildungen auf dem Markt gibt, die einen wesentlich höheren Standard haben und den aktuellen Stand der Technik berücksichtigen. Die ERCA Ausbildungsstandards sind von 2004 (es gibt zwar eine Version mit Datum 2009, der Inhalt aber ist fünf Jahre alt, zumindest kenne ich keine neueren).
Für alle anderen Zielgruppen, also Unternehmen, Privatpersonen, Vereine usw. kann Dir niemand Vorschriften machen, wie Du oder Deine Mitarbeiter ausgebildet sein sollen. Die einzige Instanz, die das könnte, wäre der Gesetzgeber und der hat Besseres zu tun.
Solltest Du einen Kletterwald betreiben, würde ich mich an Deiner Stelle Richtung SMA Ausbildung der IAPA orientieren, weil diese Ausbildung wesentlich profunder auf die Bedürfnisse in einem Kletterwald eingeht und diese berücksichtigt. Um es noch genauer zu sagen, die ERCA kann in diesem Ausbildungssektor nicht das leisten, was die IAPA leisten kann.
Denn die ERCA hat sich anfangs strikt gegenüber den Kletterwaldbetreibern verweigert, die daraufhin die IAPA gegründet haben. Aus dieser Tradition heraus besteht bei der IAPA logischerweise die wesentlich bessere Expertise für diesen Bereich. Im übrigen machst Du damit auch die Tür für die Schulklassen nicht zu, denn den Standard der ERCA erfüllt und übererfüllt die SMA Ausbildung der IAPA allemal.

Um jetzt aber den Bogen zu Deinem Versicherungsproblem zu schlagen, eine praktische Lösung, die ich in meinem Unternehmen anwende. Ich habe eine Auflistung des Leistungsangebots meiner Firma erstellt und die Qualifikationen der Mitarbeiter (danach wird ein Versicherer fragen und deshalb ist das auch wichtig bei der Wahl der Ausbildung, also ob für einen Hochseilgarten oder einen Kletterwald) und ihren Einsatzbereich beigefügt. Mit dieser Liste bin ich zu meinem Versicherer gegangen und habe gefragt, ob er dieses Risiko versichert. Der hat eine Risikoanalyse durchgeführt und das Unternehmen versichert.
Mir ist aber auch ein privarter Versicherungsmakler bekannt, der zumindest in Deutschland Trainer versichert.
Für mein Empfinden ist es gar nicht so schlecht, dass es keine vorgekauten Versicherungen von Verbänden gibt, denn so kann ich mein Risiko detailliert beschreiben und versichern lassen.
Ich kann Dir die Regelung für Österreich bezüglich Deiner Verantwortung für externe Trainer nicht sagen, nehme aber aufgrund der großen Ähnlichkeit von ABGB und BGB an, dass sich Österreich und Deutschland da nicht viel schenken. Das würde bedeuten, dass Du auch für das verantwortlich bist, was die externe Trainer in Deinem Auftrag tun. Du also auch die Versicherungspflicht für sie hast.
In meiner Police stehen deshalb auch externe Trainer mit drin. Was ich allerdings tun muss, und das ist sehr wichtig, damit der Versicherungsschutz auch greift, ich muss den Ausbildungsstand und die Aktualität der Ausbildung der Trainer dokumentieren. Das ist zwar manchmal nervig, aber es hilft letztlich schlimme Folgen zu vermeiden.

Als Fazit könnte man also ziehen, dass eine gute Ausbildung in diesem Bereich großen Sinn macht, egal für welche Du Dich letztlich entscheidest. Sie sollte mindestens die ERCA Standards erfüllen sie aber besser übererfüllen, wie z.B. die SMA Ausbildung der IAPA. Und Du musst einen Versicherer suchen, der sich die Zeit nimmt mit Dir eine individuelle Police aufzulegen, denn das ist ein besserer Schutz, als vorkonfektionierte Produkte mit hunderten Haftungsausschlüssen.

Ich hoffe das hilft weiter,
Grüße aus Deutschland,

Martin


*nach den Richtlinien 2009 für die Durchführung von bewegungserziehlichen Schulveranstaltungen des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur in Österreich
Martin F.
 

Beitragvon Markus P » Mi Nov 18, 2009 5:43 pm

Die Dunkelheit hat mich wieder ins Büro getrieben!
Erst mal sollte man zwischen den Anlage unterscheiden. Partenerübungen, Teamparcours, Anlagen für Personen von 5-99 Jahren oder Hochseilgärten, wo jeder TN an seine Grenzen stößt. Anlagen, bei denen TN andere TN sichert, Übungen wo sich der Trainer am Boden befindet und die Tn von unten Beobachtet. Massenbetrieb, oder geführte Touren z.B. 5-7 Personen pro Trainer. Ich denke einfach hier gibt es riesige Unterschiede von Anlagen und der dazu passenden Ausbildung.
Markus P
 

Beitragvon marco2008 » Do Nov 19, 2009 10:02 am

Lieber Martin F
kannst du erklären nach welchen konkreten Standards sich die SMA Ausbildung der IAPA richtet? Hat die IAPA eignene Standards nach denen ausgebildet wird?
auf welcher Grundlage außer der Norm 15 567 I u. II basiert die Ausbildung?

Wird in dieser Ausbildung nur auf Kletterwälder eingegangen oder umfasst die SMA Ausbildung auch den Bereich für klassische HSG´s so wie es viele Firmen anbieten die jetzt schon erfolgreich auf dem Markt sind... und eine Kombination aus beiden Bereichen bieten... ?
lg marco
marco2008
 

Beitragvon Martin F. » Do Nov 19, 2009 7:52 pm

Hallo Marco,

zunächst einmal haben die Teile 1 und 2 der EN 15567 direkt nichts mit Ausbildungen zu tun. Das Thema Ausbildung wird derzeit in einem eigens dafür geschaffenen Normausschuss behandelt. In den beiden Teilen der 15567 geht es um Baukriterien und um Betriebskriterien von Seilkletteranlagen. Insofern sollten Teil 1 im Allgemeinen und Teil 2 im Speziellen als Norm in einer Ausbildung thematisiert sein.

Weiterhin baut die SMA Ausbildung der IAPA auf keinen konkreten Standards auf, sie ist aber eine konkrete Ausbildung, mit transparenten und klaren Inhalten, die implizit den Standard definiert. Es gibt auch keine Standards, die man dieser Ausbildung zu Grunde legen könnte. Sie berücksichtigt aber alle für diesen Bereich relevanten Passagen aus verschiedenen Fremdwerken.

Deine Frage nach IAPA Standards betrachte ich ansonsten als rhetorische.

Darüber hinaus handelt es sich bei den ERCA Ausbildungs- und Ausbilderstandards nicht um das, was Du als konkrete Standards bezeichnest. Um ein Beispiel zu nennen:

Zur Ausbildungsdauer heißt es dort – „Je nach Anlagengröße mindestens 24 Stunden für hohe Elemente mit Seilsicherung.“* Das ist schwammig. Konkret wäre es einen Zeitansatz pro Element zu nennen, wenn man darauf überhaupt eingeht.

Die SMA Ausbildung der IAPA ist auf Kletterwälder zugeschnitten und befasst sich nicht mit klassischen Hochseilgärten. Deshalb ist sie auch die beste, weil speziellste Ausbildung für diesen Bereich. Eine kombinierte Ausbildung für beide Bereiche kann das niemals leisten, weil erstens die gefragten Kompetenzen in einem Kletterwald anders gelagert sind als im klassischen HSG, und zweitens die ERCA Ausbildungsstandards in sehr vielen Teilen für den Bereich Kletterwald völlig irrelevant sind. Dafür auch ein Beispiel:

„Die Vermittlung pädagogisch-psychologischer Kompetenzen, die relevant für seilgartentypische Situationen sind, muss Bestandteil der RCT-Grundausbildung sein. Hierzu gehören insbesondere die Fähigkeiten mit Gruppenprozessen und emotionalen Reaktionen umzugehen, die durch Gruppendruck, Angst, …“**

In einem Kletterwald soll niemand Angst bekommen oder Gruppendruck ausgesetzt werden. Die Kompetenzen, die ein Trainer in einem klassischen HSG als hinreichende Voraussetzung braucht, braucht ein Sicherheitsmanager im Kletterwald nicht, dafür aber andere. Da eine Ausbildung, die auf den ERCA Standards aufbaut, aber auch Forderungen, wie die oben zitierte, erfüllen muss, sind die ERCA-Standards für den Kletterwaldbereich unbrauchbar.

Insofern ist eine kombinierte Ausbildung für beide Bereiche abzulehnen. Man bekommt auch nicht den Motorradführerschein dazu, wenn man den für‘s Auto gemacht hat.

Beste Grüße,

Martin


* ERCA Ausbildungsstandards März 2004 (Seite 4; Nr. A.4.1., S.1)
** ERCA Ausbildungsstandards März 2004 (Seite 13; Nr. B.5., Abs.1 und Abs.2 S.1)
Martin F.
 

Beitragvon marco2008 » Mi Nov 25, 2009 11:03 am

Martin F.
Vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Ich komm gerade vom IAPA Symposium und schaffe es erst heute wieder im Forum zu sein.

Du hast recht wenn du die Ausbildungsstandards von 2004 bemühst. Ich würde es auch begrüßen, dass die neuen ERCA Standards in denen die Norm in beiden Teilen impliziert sein werden, möglichst bald auf den Markt kommen, um bessere Orientierung auch für z.B. Kletterparkbeteiber bieten zu können.
Ich denke nämlich das es die Mühe wert war und auch ist, sich in einer Expertengruppe auseinanderzusetzen damit diese neuen Standards auf den Markt kommen. Schließlich war ja auch ein Vertreter der IAPA in der Expertengruppe vertreten, um die ERCA Standards weiter zu bringen und eben den aktuellen Anforderungen gerecht zuwerden.
Ich begrüße es auch das die SMA Ausbildung min. die ERCA Standards einhält und wenn Sie darüber hinaus nach Deiner Aussage sogar noch besser ist kann es doch nur von Vorteil sein zur Sicherheit für unsere Gäste.
Soweit ich weiß macht die ERCA gar keine eigenen Ausbildungen sondern zertifiziert gerade Firmen die Ausbildungen anbieten um die "Ausbildungsstandards" zu verbessern und auch zu vereinheitlichenun, um mehr Transparenz und Qualität am Markt zu schaffen.
Du hast auch recht in dem Punkt das sich min. eben an die genannten Standards gehalten werden soll und das ist doch auch gut so. Wer dann mehr bietet, um so besser und ich denke es gibt viele Firmen die das bereits umsetzen.
letzt endlich geht es doch darum die Sicherheit in den Anlagen zu erhöhen, um Unfälle zu vermeiden und wenn das Personal gut und qualifiziert ausgebildet wird unter welchen Verbandshut auch immer dann kann es zur Sicherheit in den unterschiedlichen Parks beitragen.

Marco
marco2008
 


Zurück zu Schülergerechte Seilgärten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron